Kopfbild

Die Schweizer und ihre erste eigene Vollbibel im Druck

1531 erscheint die Froschauer-Bibel

 

 

Bereits 1517 hatte Adam Petri die 95 Thesen Luthers in Basel nachgedruckt. Eine wahre Flut von Lutherschriften ergoss sich von Basel aus in alle Teile Europas. Basel wurde in den 20'er Jahren des 16. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten Publikationszentren von Lutherschriften. Von 1518 bis 1527 zählte man in der Schweiz 170 Veröffentlichungen des deutschen Reformators!


Dennoch wurde Basel keine Lutherstadt. Die Schweizer Reformatoren konnten sich mit Luther in der Frage des Abendmahls nicht einigen. Außerdem ist das Schweizerdeutsch mit seiner alemannischen Mundart doch sehr unterschiedlich zum Lutherdeutsch. 1524 wurde zunächst das Luther-NT nachgedruckt, allerdings schon mit Angleichung an die alemannische Mundart durch den Zürcher Reformator Huldrych Zwingli. So entstand eine Neuübertragung.

 

Dies zeigt ein Vergleich von 1. Korinther 13,4:
Luther 1522 [= Basel 1523]: «Die liebe ist langmutig und freuntlich, die liebe eyffert nicht ...»

 

Zürich (Froschauer 1524): «Die liebe ist dultmütig und früntlich, die liebe yfert nit ...»

 

Als die Übersetzung der Propheten durch Luther sowie die Apokryphen zu lange auf sich warten ließen, bereitete man in Zürich eine «kombinierte» Bibel vor, d. h. man mischte die Bibelübersetzungen. Der Text im schweizerischen Deutsch stellt zum grössten Teil (im AT von 1.Mose bis zum Hohelied) eine Revision der Lutherübersetzungen dar. Das war alles, was von Luther bis 1529 in Einzelteilen veröffentlicht worden war. Der zweite Teil des AT (Jesaja bis Maleachi) wurde von Zürcher Predigern übersetzt, die Apokryphen von Leo Jud. Dabei enthielten die Apokryphen (sog. «verborgene» Bücher = Schriften, die nicht zum Bibelkanon gehören) auch das 3. und 4.Buch Esra und das 3. Buch der Makkabäer, die Luther nie in seinen Bibelübersetzungen aufgenommen hatte. Diese «kombinierte» Bibel erschien 1530 bei Christoph Froschauer in Zürich (*um 1490 vermutlich in Kastl bei Altötting; † 1. April 1564 in Zürich).

 

Bereits 1531 erschien die weltberühmte «Froschauer-Bibel» auch unter dem Namen "Zürcher Bibel" (NICHT "Züricher Bibel"!) bekannt, die eine neue Übersetzung der Lehrbücher enthielt und sich durch sprachliche Eigenständigkeit auszeichnete. Diese Bibel kann für sich in Anspruch nehmen, dass sie die erste vollständige Bibelausgabe in deutscher Sprache ist, die aus den Ursprachen übersetzt wurde.


Zu Ende des Reformationsjahrhunderts hatte die Zürcher Bibel ihren eigenen Charakter gefunden. Es handelte sich nicht mehr um eine Revision der Lutherbibel, sondern um eine eigenständige Ausgabe, wobei die Reihenfolge der biblischen Bücher eine andere war als in der Lutherbibel. In den folgenden Jahrhunderten ist der Text der Zürcher Bibel immer wieder revidiert worden.

 

Von der Ausgabe 1531 sind nur wenige Exemplare erhalten.

 

Die Bibelausstellung Sylt zeigt in ihrer Sammlung ein Fragment / Teilstück dieser berühmten Schweizer Bibel von 1531 und zwar in einer kolorierten Ausgabe - das einzige Exemplar in Deutschland! (weltweit sind nur noch 4 kolorierte Exemplare erhalten, davon eins in der Schweiz, eins in Deutschland und zwei in den USA!!).

 

Ausgestellt ist auch eine seltener Druck des Neuen Testaments (Latein/Deutsch) von 1535 aus der Druckerei Froschauer.

 

Von 1560 ist ein Foliant ausgestellt und außerdem liegt eine Zürcher Bibel von 1638 (Folio / Teilstück) aus.

 

Besondere Bedeutung erhielt die 2. Auflage der Froschauer-Bibel von 1536 durch ihre hohe Wertschätzung in den Täufergemeinden ---> siehe hier