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Modell der Siedlung von Qumran

Wer lebte hier wirklich zur Zeit Jesu?

 

Modell der Qumransiedlung um 50 v. Chr.

 

Hier wird die Gegend von Qumran im Video vorgestellt!

 

Eine virtuelle Tour durch Qumran bietet die Hebräische Universität (mit Bildern aus dem Archiv der Bibelausstellung Sylt)

 

68 n.Chr. wurde Qumran von den Römern zerstört und die Rollen kurz vorher von den Bewohnern vor den Römern in den Höhlen versteckt. Da keine Schriftrollen bei den Ausgrabungen in Qumran gefunden wurden, bestreiten einige Forscher einen direkten Zusammenhang zwischen den Schriftrollen aus den Höhlen und Qumran. So gibt es eine Vielzahl von alternativen Deutungsmodellen:

 

So wird die Siedlung von Qumran gehalten für

a) eine Schriftrollenmanufaktur mit Ledergerberei

b) eine militärische Festung

c) eine Karawanserei mit Bewirtungsstation

d) eine Zollstation

e) ein Landgut

f) eine industrielle Dattelplantage oder eine Produktionstätte für Tonwaren, bzw. für Balsam- und Parfüm (so Terra X "Brennpunkt Qumran")

 

Meistens wird dabei behauptet, daß die Schriftrollen bei Ausbruch des jüdischen Kriegs aus Jerusalem in die Höhlen verbracht worden seien. In Qumran hätten keine Essener gelebt. Diese neuen Deutungen wurden von der Fachwelt allerdings abgelehnt, da z.B. die Mauern mit 60cm Breite zu schmal für eine Militäranlage sind. Es gibt  auch keinerlei Spuren von Bewässerungsanlagen, die man bei einer intensiven »industriellen« landwirtschaftliche Nutzung aber voraussetzen muss. Es konnte auch kein Tannin nachgewiesen werden, was man bei einer Ledergerberei erwarten müsste.

 

In Qumran wurden Schriftrollen geschrieben!

Durch die Untersuchung der Tinte von einem Fragment der Lobliederrolle wurden 2009 die Alternattheorien endgültig widerlegt. In der Antike musste die Tinte direkt vor dem Schreiben aus einem Tintenkuchen vermischt mit Wasser hergestellt werden. Die chemische Untersuchung der Spurenelemente ergab eine so hohe Konzentration von Brom, wie man es nur im Wasser um das Tote Meer herum findet. Diese Rolle muss also in Qumran geschrieben worden sein. Zudem enthalten die Tonkrüge zum Abdichten Leinen, die mit Bitumen aus dem Toten Meer imprägniert wurden. Nicht alle Texte wurden aber in Qumran geschrieben. Die Schriftrollen., die aus der Zeit vor 100 v.Chr. datieren (wie z.B. die grosse Jesajarolle), müssen als »Masterkopien« bei der Gründung der Qumransiedlung mitgebracht worden sein. Fragmente wurden anscheinend doch auch in Qumran gefunden. Interviews mit den in den 50er Jahren an den Ausgrabungen beteiligten Beduinen haben ergeben, dass als Tagessold 1$ gezahlt wurde. Die in Qumran entdeckten Rollenfragmente hätten die Beduinen daher nicht bei der Grabungsleitung abgegeben sondern selber für 20$ und mehr verkauft.

 

Die bisher beste Deutung für die Siedlung ist es daher, in Qumran ein Zentrum und in den Schriftrollen die Hinterlassenschaft der Essener, einer der grossen und strengen Gemeinschaften des antiken Judentums, zu sehen.

 

Auszug aus dem Artikel "Handschriften vom Toten Meer" aus dem neuen "Lexikon zur Bibel" (Brockhausverlag) herausgeben u.a. von Alexander Schick.