Tyndale, der englische Reformator

Als Luther 1522 das Septembertestament veröffentlichte, hatte WILLIAM TYNDALE (ca. 1494–1536) in England die Idee, ebenfalls eine zeitgenössische Bibel- übersetzung für seine Landsleute herauszubringen. Doch in England galt seit den Zeiten von John Wycliff (ca. 1320–1384) ein strenges Gesetz, das jede Bibelübersetzung verbot, die nicht von der örtlichen Kirchenleitung genehmigt war. Tyndale wandte sich daher an den Bischof von London, doch der verweigerte die Genehmigung zur Bibelübersetzung. So ging Tyndale, ein glühender Anhänger Luthers, 1524 nach Deutschland, wo er das Neue Testament aus dem griechischen Urtext innerhalb eines Jahres in ein flüssiges Englisch übersetzte. Er zog aber auch die lateinische Übersetzung von Erasmus sowie die deutsche Lutherübersetzung heran. 1525 ließ er sein Neues Testament im katholischen Köln drucken. Doch nachdem sich die Drucker in einer Gastwirtschaft darüber unterhielten, dass sie an einem Text arbeiten würden, der England «lutheranisieren» würde, griff die Behörde sofort ein und beschlagnahmte die Druckerpresse. Nur 64 Seiten (bis Matthäus Kapitel 22) waren von dem Neuen Testament bis dahin gedruckt. Von diesem Druckversuch existiert heute weltweit nur noch ein einziges Exemplar. Die British Library in London hütet diesen kostbarsten Schatz englischer Bibelgeschichte streng.

 

Die Bibelausstellung zeigt ein seltenes Faksimile dieses Fragments von 1525.