Herzensfrömmigkeit und Bekehrung

 

Der Pietismus leitete eine entschei- dende Wende in der Geschichte der Bibel ein. Sein Leitmotiv lautete: «Das Wort Gottes reichlicher unter uns bringen.» Der Theologieprofessor August Hermann Francke (Begründer des Waisenhauses in Halle / heute: Frankesche Stiftungen) versuchte mit einem preiswerten Bibeldruck, die Verbreitung der Bibel zu fördern. 1709 wandte er sich an den Freiherrn Hildebrand von Canstein mit dem Plan, durch ein neues Druckverfahren, dem sog. Stehsatz, eine Massenverbreitung der Bibel zu Niedrigstpreisen zu erreichen.

 

Der stehende Satz

Das Verfahren bestand darin, dass der Bleisatz nicht, wie bis dahin üblich, nach dem Druck eines Bogens (d. h. heute in der Regel 16 Seiten) aufgelöst und zum Satz und Druck des nächsten Bogens benutzt wurde. Stattdessen wurde der Bleisatz auf einmal für die ganze Bibel erstellt und blieb dann stehen. Bei einem Neudruck fielen nun keine Satzkosten mehr an, und die Bibel wurde von Ausgabe zu Ausgabe billiger. Der Stehsatz erforderte jedoch ein sehr hohes Startkapital, da zuerst der Bleisatz für die ganze Bibel gegossen werden musste und nicht nur für einen Bogen. Hier half Canstein, und es kam 1710 zur Gründung der Bibelanstalt in Halle (später: Cansteinsche Bibelgesellschaft)

 

1712 erschien das erste Neue Testament und 1713 die erste Vollbibel (Altes und Neues Testament). Die erste Vollbibel im stehenden Satz efolgte 1717 nachdem man genügend Blei angekauft hatte und kostete nur  6 Groschen – so viel, wie seiner Zeit ein Paar Damenschuhe.

 

Von 1712–1812 verbreitete die Cansteinsche Bibelgesellschaft fast eine Million Neue Testamente und zwei Millionen Vollbibeln. Die Bibel gelangte so in jedes Haus.
 

Die Bibelausstellung Sylt zeigt eine umfangreiche Sammlung von Canstein-Bibeln und Neuen Testamenten ab 1713 im Original (inkl. der Ehebrecherbibel und der kleinsten Cansteinbibel)!

 

 

Weitere Informationen zu der heutigen Cansteinischen Bibelanstalt siehe hier:

www.canstein-halle.de

 

Die Franckesche Stiftungen finden Sie hier:

www.francke-halle.de/main/

 

Wikepedia über August Hermann Francke:

de.wikipedia.org/wiki/August_Hermann_Francke