Die Eck-Bibel von 1537

 

1537 erschien die sog. "Eck-Bibel" von dem  Ingolstädter Theologen Johannes Eck, einem der größten Luthergegner. Diese Bibel entstand im Auftrag des bayerischen Herzogs Wilhelm IV. und trägt den Titel:

 

"Alt und new Testament, nach dem Text in der hailigen kirchen gebraucht, durch doctor Johan. Ecken, mit fleiß, an hohteutsch [sic!] verdolmetscht".

 

Als hochdeutsche Übersetzung kann man diese Bibel nun allerdings gerade nicht bezeichnen! Sie ist nicht im Lutherdeutsch, sondern in einem sehr bairischen Oberdeutsch abgefasst, ähnlich der Maximilianischen Kanzleisprache. Damit grenzte sich Eck auch sprachlich  von der Bibelübersetzung Martin Luther's ab. Gerade deshalb blieb sie allerdings in ihrer Verbreitung stark beschränkt.

 

Anders als bei der Dietenberger-Bibel, die im Alten Testament den Luthertext bietet und lediglich nach der Vulgata (der lateinischen Bibel) angeglichen wurde, benutzte Johannes Eck für das Alte Testament die Vulgata. Er lehnte Rückgriffe auf den hebräischen (masoretischen) Text des Alten Testaments strikt ab und warf seinem katholischen Mitstreiter Dietenberger vor, sich zu stark an Luther gehalten zu haben. Allerdings macht Eck genau dasselbe im Neuen Testament. Hier fertigt auch er keine neue Übersetzung an, sondern üb ernimmtdas Neue Testament von Emser, das zu 80% den Luthertext bot.

 

Die Eck-Bibel war in den katholischen Gebieten, vor allem im Kurfürstentum Bayern, im Erzbistum Salzburg und in Österreich, lange Zeit in Gebrauch. 1550 erschien eine 2. Auflage und 1558 eine dritte. 1602 wurde eine revidierte Fassung nach der neuen Sixtina-Vulgata veröffentlicht. In Köln erschien 1611 eine 5. Auflage. Während des Dreißigjährigen Krieges erschien 1619 eine 6. Auflage und 1630 erlebte die Eck-Bibel ihre 7. und damit letzte Auflage.

 

Die Ausgabe von 1537 gehört zu den seltensten Frühdrucken der katholischen Gegenbibeln. Im August 2011 konnte die Bibelausstellung Sylt ein (leider stark) beschädigtes Exemplar der wertvollen Bibel ersteigern. Es handelt sich um einen Dachbodenfund. Jahrzehntelang war diese Bibel unbeachtet geblieben! Sie wurde unter hohem Aufwand für Ausstellungszwecke  restauriert und in zwei Bänden neu gebunden.