Luther war nicht der erste Bibelübersetzer!

 

Die Erfindung Gutenbergs verbreitete sich rasch, und bereits vor Martin Luthers Bibel- übersetzung gab es 18 gedruckte deutsche Bibeln, davon 14 in hochdeutscher und 4 in niederdeutscher Sprache.


Die älteste gedruckte deutsche Bibel, die Mentelin-Bibel, stammt aus dem Jahre 1466. Ein ehemaliger Gehilfe Gutenbergs – Johannes Mentelin – hatte sie nur 10 Jahre nach der Erfindung seines früheren Chefs in Straßburg gedruckt. Ihr liegt eine etwas mehr als ungelenke deutsche Übersetzung zugrunde, die hundert Jahre vorher entstanden war und in Handschriften kursierte. Diese Übersetzung basierte allein auf dem lateinischen Bibeltext (Vulgata).

 

Die letzte vorlutherische Bibel erschien am 8. Juli 1522 in Halberstadt. Zwei Monate später sollte auch Luthers SEPTEMBER-TESTAMENT erscheinen und eine neue Ära des Bibeldrucks einleiten. So kam es, dass durch die enorm große Nachfrage nach der Lutherübersetzung von der Halberstädter Bibel nur wenige Exemplare verkauft wurden – heute sind nur noch wenige Exemplare vorhanden.


Die vorlutherischen deutschen Bibelausgaben sind durch Luthers Übersetzungswerk fast völlig in Vergessenheit geraten.

 

Die Bibelausstellung Sylt zeigt im Faksimile die Mentelin-Bibel (1466) sowie die Kölner Bibel (1478/79) sowie aus den meisten vorlutherischen Bibeln Originalseiten. Ausserdem grössere Fragmente (Teilstücke / Originale) u.a. von der Sorg-Bibel (1480) und der Koberger-Bibel (1483).

 

 

Bis zum Beginn der Reformation wurden in Europa etwa rund 70.000 Bibeln gedruckt und verbreitet. Hinzu kommen etwa 120.000 Psalter und fast 100.000 Neue Testamente (meist in lateinischer Sprache). So groß war der Hunger der Menschen nach dem Wort Gottes!
Wieviel Mühe, wie viel Fleiß und wie viel unermüdlicher Eifer stehen hinter diesen nüchternen Zahlen!