Egbert-Codex 10.Jh. n.Chr.ältester Bilderzyklus zum Leben Jesu

Bild oben: Die Berufung des Zöllners Levi und das sich anschließende Gastmahl. Die Bilder illustrieren gemeinsam eine Perikope, die mit einer großen Initiale aus Gold und Silber beginnt (Fol. 28v/29r).

 

Egbert-Codex

Höhepunkt Ottonischer Buchmalerei

10. Jahrhundert – Stadtbibliothek Trier, Ms. 24

Auf der Reichenau im 10. Jahrhundert im Auftrag des Erzbischofs Egbert von Trier entstanden, ist das Evangelistar der älteste Bilderzyklus zum Leben Jesu in der Geschichte der Buchmalerei. Die große erzählerische Kraft der Bilder zieht auch heute noch den Betrachter in ihren Bann.

 

Ältester Bilderzyklus zum Leben Jesu

Der Egbert-Codex ragt unter den reich illuminierten Handschriften der künstlerisch so produktiven Zeit der Ottonen heraus. Schon die ersten Blätter des kostbaren Codex zeugen von der Bücherliebe des Auftraggebers, Erzbischof Egberts von Trier: Eine Doppelseite in Gold und Purpur mit einer Widmung und dem Porträt des Bischofs eröffnen das Werk. Zwei Mönche zu Füßen Egberts, Kerald und Heribert von der Reichenau, überbringen ihm das Werk. Vier eindringliche ganzseitige Darstellungen der Evangelisten schließen sich an.

 

Weitere 51 erzählende Bilder zum Leben Jesu bestechen im Anschluss daran durch einen zart schimmernden Grund und sorgfältig komponierte Figurengruppen in jeder Miniatur. Dieser Bilderzyklus zum Leben Jesu ist der älteste in der Geschichte der Buchmalerei.

 

Der Glanz von Silber und Gold: 60 Schmuckseiten und über 240 Initialen

Der Egbert-Codex stellt als Perikopenbuch bzw. Evangelistar auf 165 Blättern die Lesungen aus den vier Evangelien im Ablauf des Kirchenjahrs dar. Jede Perikope beginnt mit einer großen I-Initiale, die mit einem Flechtband aus Gold und Silber gefüllt ist. Kostbares Gold verwendeten die Künstler auch für feine Details in den zahlreichen Miniaturen wie zur Verstärkung der plastischen Wirkung im Faltenwurf.

 

Im Auftrag des Bischof Egbert von der Benediktinerabtei auf der Reichenau

Bischof Egbert wirkte in der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts – einer Zeit, die als eine der fruchtbarsten in der Geschichte der Kunst gilt. Herausragende Zentren künstlerischer Kreativität entstanden damals in den Skriptorien der Klöster. Das berühmteste unter ihnen war die Benediktinerabtei auf der Reichenau.

 

Die Künstlermönche vom Bodensee entwickelten einen Stil, der die ottonische Buchmalerei prägte. Den Mönchen gelang eine atemberaubende Synthese zwischen nördlichen und südlichen Kunstformen. Das kostbare Erbe karolingischer Traditionen gehörte ebenso zu ihrem Bilderschatz wie Spuren insularer Malerei oder byzantinische Einflüsse. Früher Höhepunkt dieser neuen Form ist der Egbert-Codex, in dem in besonderer Weise der Geist der Antike dem Neuen begegnet.

Bilder von großer erzählerischer Kraft

Der reiche Bilderzyklus mit Miniaturen zum Leben und wundersamen Wirken Jesu sowie die Porträts der Evangelisten und Bischof Egberts ziehen den Betrachter noch heute durch ihre Ruhe und Erhabenheit in den Bann. Ungewöhnlich ist die Auswahl der Bilder: Der Egbert-Codex präsentiert einige Wunder Jesu (z.T. aus den apokryhen Schriften), die sonst in Handschriften nur selten gezeigt werden.

 

Text und Foto von der Verlagsseite