Der Codex Sinaiticus & das Internetzeitalter

Die von Profischreibern im 4. Jahrhundert nach Christus beschriebenen Blätter liegen heute verteilt in London. Leipzig, St. Petersburg und im Katharinenkloster im Sinai. In den letzten Jahren wurden die wertvollen Blätter in einem aufwendigen Forschungsprojekt "virtuell" vereint. Im Internet sind die Früchte dieses - als einmalig - zu bezeichnenden Forschungsprojektes zu sehen. Der vollständige Codex Sinaiticus ist seit dem Juli 2009 online verfügbar: www.codex-sinaiticus.net/de


Im Hintergrund dieses weltweiten Forschungsprojektes schwelt noch immer eine Auseinandersetzung um die Besitzrechte der Bibelhandschrift. Das Katharinenkloster hatte in den letzten Jahren stets erklärt, die Ziegenhautseiten nicht freiwillig abgegeben zu haben und erklärte Tischendorf zu einem Dieb. 1844 hatte der deutsche Bibelforscher nach seiner ersten Entdeckung 43 Blätter der Sinaibibel vom Kloster geschenkt bekommen (diese liegen heute in Leipzig). Die dritte Reise 1859 unternahm Tischendorf mit Unterstützung des russischen Zarenhauses. Bei dieser Reise gelang ihm der Sensationsfund. Er durfte die Handschrift zu Publikationszwecken mitnehmen. Später schenkte das Katharinenkloster die Bibel dem russischen Zaren. Die Sowjetregierung wiederum verkaufte 1933 unter Stalin die Handschrift für 100 000 Pfund Sterling (damals 510.000 Dollar, bzw. 1 300 000 Reichsmark) an das Britische Museum. Für denselben Betrag hätte man drei wertvolle Gutenbergbibeln kaufen können.


Seit 1998 werden die 347 Blätter des Fundes von 1859 in der British Library als grösster Schatz aufbewahrt. 6 Blätter befinden sich noch in St. Petersburg. sowie weitere Blätter und Fragmente aus den Neufunden von 1975 und 2008 im Katharinenkloster (siehe nächste Webseite).

 

Das Kloster hat Tischendorf immer wieder des Diebstahls bezichtigt. Nun aber sind während der Arbeiten in Rahmen des Forschungsprojektes die alten Akten aus dem Zarenarchiv aufgetaucht - darunter die Schenkungsurkunde des Klosters an den Zaren mit dem Stempel des Klosters und den Unterschriften der Mönche.

Die Russen haben diese Dokumente im Internet veröffentlicht:

http://www.nlr.ru/eng/exib/CodexSinaiticus/zah/

 

In der neuen Tischendorf-Biografie von Alexander Schick finden Sie eine Übersetzung dieser Dokumente sowie weiteres bisher unveröffentlichtes Quellenmaterial ---> NEUES BUCH <---

 

Tischendorf war nicht nur ein begnadeter Bibelforscher sondern auch ein Ehrenmann, dem wir die Entdeckung dieser rund 1600 Jahre alten Bibelhandschrift verdanken. Der Vorwurf des Diebstahls der Handschrift ist widerlegt.


Wer nicht nach London ins Museum oder in den Siani reisen kann, findet die Handschrift gleich dreimal im Internet und kann sie bis ins kleinste Detail durch spezielle Zoomfunktionen studieren:


1) www.codex-sinaiticus.net/de -- Internetseite des internationalen Forschungsprojekts mit allen Blättern der Handschrift

 

2) www.e-manuscripts.org - Internetseite der Universitätsbibliothek Leipzig (hier sind die Leipziger Blätter besonders gut präsentiert)


3) www.bl.uk/onlinegallery/sacredtexts/codexsinai.html - auf den Internetseiten der British Library kann man selber die Handschrift umblättern (Turning the pages)! Das sollte sich jeder Bibelliebhaber im Netz anschauen. Siehe Bild oben - einfach FANTASTISCH!

 

Man kann Scott McKendrick, dem Kurator in der British Library, nur zustimmen, wenn er sagt: „Der Codex Sinaiticus wurde hergestellt mit der besten Technik des 4. Jahrhunderts und wir im 21. Jahrhundert benutzen die neueste Digitaltechnik und das Internet, um die älteste Bibel der Welt allen zugänglich zu machen.“
Das moderne Internetzeitalter macht dies möglich. Davon hätten die ersten Handschriftenforscher nur träumen können …
 

Im Januar 2015 wurde in LENGENFELD (Sachsen / Vogtland) die grosse Ausstellung "Tischendorf & der Codex Sinaiticus" gezeigt. 2600 begeisterte Besucher zählte das Rathaus. Die Ausstellung kann von Gemeinden bei Alexander Schick ausgeliehen werden: mail --> Schick <--

Es werden seltene Exponate aus dem Nachlass des Bibelforschers gezeigt, die sich noch heute im privaten Familienbesitz befinden, sowie das Faksimile  der Sinaibibel. Den Bericht zur --> Ausstellung in Lengenfeld