Wertvollster Müll - die zerfetzten Papyri von OxyrynchusDie Spurensuche beginnt ...

1897 begannen die beiden englischen Forscher Grenfell und Hunt in dem antiken mittelägyptischen Ort Oxyrynchus (ca. 200 km südwestlich von Kairo) ihre Grabung aufzunehmen. Warum gerade hierher? Oxyrynchus (sprich Oxierinkus) wurde von den Griechen nach einem speziellen Fisch im Nil, eben dem Oxyrynchus, benannt. Die einheimische Bevölkerung hielt ihn damals für heilig. Wenn ein Ort in Ägypten einen griechischen Namen erhielt, müssen auch Griechen dort gelebt haben, vermutete Grenfell.

 

Nur wenig war von dem antiken Oxyrynchus bekannt – außer, dass hier einst eine Vielzahl von Klöstern mit 10 000 Mönchen und 12 000 Nonnen existierte. Als Grenfell und Hunt begannen, den griechisch-römischen Friedhof zu untersuchen, mussten sie feststellen, dass Grabräuber bereits vor ihnen da gewesen waren. Daher wandten sich Grenfell und Hunt dem alten Müllhaufen von Oxyrynchus zu. Die einheimischen Helfer gruben sich durch den 10 Meter hohen antiken Müll und machten dabei den bis heute größten Papyrusfund, der jemals in Ägypten gemacht worden ist. Es wurden nicht nur offizielle Dokumente, sondern ganz alltägliche Paypri gefunden, wie persönliche Briefe, Einladungen zu einem Freundestreffen oder Einkaufslisten. Sogar ein »Haftbefehl« wurde entdeckt, der auf den 28. Februar 256 n. Chr. datiert wird. Ein gewisser Petosarapis, der ein »Christ« genannt wird, sollte verhaftet werden – es ist die früheste Erwähnung dieses Namens »Christ« in den »Oxyrynchus Papyri«.

 

Für Bibelforscher ist die Entdeckung von 36 Texten aus dem Neuen Testament von besonderer Bedeutung. Sie stammen von 200 (also noch aus der Zeit vor Kaiser Konstantin) bis 400 n. Chr. und enthalten Teile von den Evangelien bis zur Offenbarung.

 

Die Ausgrabungen in Oxyrynchus dauerten bis 1934 und brachten über 50 000 (!) Papyri ans Tageslicht. Da Oxyrynchus eine griechisch sprechende Enklave war, sind die meisten der dort gefundenen Papyri in Griechisch abgefasst. Bis heute sind 67 Bände in der Editionsreihe »Oxyrynchus Papyri« veröffentlich worden. Noch viele weitere Bände werden benötigt, bis das gesamte Material gesichtet und veröffentlicht ist – darunter auch noch biblische Texte.