Die Psalmenrolle aus der Fledermaushöhle (Qumranhöhle Nr. 11)

Oben: Digitalfoto der großen Psalmenrolle aus Höhle 11 - Foto © Digitale Leon LeviBibliothek zu den Schriftrollen vom Toten Meer.

Unten: Kuratorin Pnina Shor (rechts) von der Israelischen Antikenverwaltung überreicht Weihnachten 2015 eine Digitalkopie dieser großen Psalmenrolle dem Qumranfroscher Prof. Dr. Claus-Hunno Hunzinger (links).

 

 

 

Eine Besonderheit unter den Handschriften vom Toten Meer ist diese Psalmenrolle, die 1956 in der 11. Höhle von Qumran (direkt in der Nähe des heutigen Kibbuz Kahlia) entdeckt wurde. In der Höhle hatten in den Jahrhunderten Unmengen von Fledermäusen gelebt. Als die Forscher zum ersten Mal die Funde aus Höhle 11 in die Hände bekamen, stanken sie nach Fledermausmist.

 

Prof. Dr. Claus-Hunno Hunzinger war der einzige deutsche Forscher im ersten Schriftrollenteam und ist eng mit der Qumran- & Bibelausstellung verbunden, auf deren Webseite Sie sich gerade befinden.

Prof. Hunzinger hatte mit als erster die Psalmenrolle 1956 inspizieren können und stellte fest, dass es sich bei dieser Rolle um eine Sammlung der Psalmen handelt (in einer etwa anderen Reihenfolge als uns überliefert). Die Rolle mit der Bezeichnung 11QPsA (oder 11Q5) konnte aber nicht geöffnet werden, da diese stark verklebt war und die Forscher des Schriftrollenteams nur die Rechte zur Bearbeitung der Funde aus der 4. Qumranhöhle übertragen bekommen hatten. Die Rolle konnte erst 1961 durch Prof. James A. Sanders geöffnet und 1965 publiziert werden.

 

Für Juden und Christen ist der Psalter das Gebetbuch der Bibel. Es verwundert daher nicht, das unter den biblischen Schriftrollen die meisten Abschriften von den Psalmen stammen (39 Psalmenrollen, leider fast alle fragmentarisch). Von den 150 Psalmen aus dem traditionellen hebräischen Psalter sind 127 in den Psalmenrollen belegt. Dazu kommt Psalm 151 aus der Septuaginta, der in Qumran im hebräischen Original vorliegt. Die syrische Bibel (Peschitta) enthält vier weitere Psalmen (152-155), von denen Psalm 154 und 155 in Qumran im hebräischen Original nachgewiesen wurden. Dazu kommen ferner ca. 200 Gebete, die den Psalmen nachempfunden sind und die vor den Qumranfunden unbekannt waren.

 

Das Gebet war in Qumran besonders wichtig!

 

Im Dezember 2015 besuchte Pnina Shor, die Leiterin der Konservierungsabteilung der Schriftrollen, von der Israelischen Antikenbehörde zusammen mit Ausstellungsleiter Alexander Schick seinen Mentor Prof. C.H. Hunzinger. Als besonderes Geschenk überreichte Frau Pnina Shor dem Qumranforscher der ersten Stunde eine Digitalkopie der großen Psalmenrolle (11QPsA), die in Zusammenarbeit der Israelischen Antikenbehörde mit GOOGLE enstanden ist.

Der heute 85jährige Qumranforscher fühlte sich in den ersten Stunden der Qumranforschung zurückversetzt und ist begeistert nun "seine" Psalmenrolle in seiner Qumransammlung zu haben.

 

Eine weitere Kopie der berühmten Psalmenrolle wird in dieser Qumran- und Bibelausstellung gezeigt.

 

Bei dem Besuch erhielt Prof. Hunzinger auch ein spezielles "Puzzle-Geschenk", die Abend- und Morgengebete der Essener, die er 1954 rekonstruiert hatte. Zu der Bedeutung dieser Qumranfragmente siehe -->HIER<--