Verschlußsache Jesus? Vatikanverschwörung?

 

Bis heute ziehen die spektakulären Schriftrollenfunde vom Toten Meer Wissenschaftler und Laien auf der ganzen Welt in ihrem Bann. Unter den Qumrantexten befinden sich nicht nur die ältesten Bibelabschriften der Welt sondern auch bisher völlig unbekannte jüdische Literatur. Obwohl die Qumrantexte aus der Zeit vor dem Wirken Jesu von Nazareth stammen, erhoffte sich die Wissenschaft neue Erkenntnis für die Zeit, in der das Christentum entstanden ist. Verständlich, dass das öffentliche Interesse an den Rollenfunden von Anfang an sehr gross war.

 

Allerdings vermischte sich die Wissenschaft in der Folge häufig mit Phantasie. Die Qumranrollen blieben nicht nur Gegenstand solider Forschung, sondern wurden auch zum Inhalt einer sich wissenschaftlich gebenden, polemischen Literatur, die die Einzigartigkeit Jesu und somit auch das Christentum mit den absurdesten Thesen in Frage stellt. Eine Fülle von unqualifizierten Veröffentlichungen und sensationshungrigen Spekulationen in den Medien stifteten und stiften noch immer viel Verwirrung. Pure Erfindung und Lüge sind an die Stelle der Forschung getreten. Hypothesen werden zu Wahrheiten verdreht", Meinungen als "sichere" Urteile ausgegeben.

 

Es gibt keine "Geimakte Jesu"!

Am erfolgreichsten war der Reisser "Verschlußsache Jesus" der amerikanischen Journalisten Baigent und Leigh, die zusammen mit Robert Eisenman, die schwierige und komplizierte Editionsarbeit an den zigtausenden Qumranfragmenten als Vatikanverschwörung ausgaben, die angeblich das Ziel hätte geheime Informationen über Jesus zurückzuhalten (auf dieser These baut dann auch der Bestseller "Sakrileg" / "Da Vinci Code" von Dan Brown auf - dazu siehe die Ausführungen auf der Webseite: www.sakrileg-betrug.de).

 

Nachweislich hatte der Vatikan nicht eine Minute etwas mit der Herausgabe der Qumranrollen zu tun gehabt - dies ist alleine Angelegenheit der Israelischen Antikenverwaltung! Alle Texte sind der Wissenschaft und jedem Laien zugänglich. 2001 erschienen die letzten Texte in der wissenschaftlichen Editionsreihe "Discoveries in the Judean Desert". Auch in deutscher Übersetzung liegen die Qumrantexte vor.

Der deutsche Qumranpionier Prof. Dr. Claus-Hunno Hunzinger dazu --> VIDEO <--

 

Eine Unterdrückung von Qumranschriften durch den Vatikan hat es nie gegeben. Die Qumranrollen erzählen auch nicht in verschlüsselter Form von Jesus, Paulus oder den Urchristen. Völlig zu Recht urteilt der Dortmunder Neutestamentler Universitätsprofessor Rainer Riesner: "Die Bücher von Robert Eisenman und Barbara Thiering, die das behaupten, gehören trotz der Professorentitel ihrer Autoren zur Literaturgattung der Schundmärchen."

 

Alle Versuche in den Qumranschriften christliche Dokumente sehen zu wollen, scheitert schon an dem einfachen Sachverhalt, dass die allermeisten Schriften aus dem 3. - 1. Jahrhundert vor Chr. stammen. Dies wurde durch zwei unabhängige radioaktive Untersuchungen in Zürich 1990 und Tuscon (Arizona/USA) 1994 eindeutig bestätigt. Schriften, die lange vor Jesu Lebzeiten aufgeschrieben wurden können nun mal keine "Geheiminformationen" über die Urchristenheit enthalten.


FAZIT: Es hat nie eine "Verschlußsache Jesu" gegeben!

 

Eine Entgegnung auf diesen Bestseller ist das Sachbuch "Faszination Qumran" von Alexander Schick, dem Leiter dieser Bibelausstellung. In seinem leicht lesbaren Buch wird u.a. die grosse religionsgeschichtliche Bedeutung der Qumrantexte aufzeigt. Mit seltenem Bildmaterial aus den Archiven der direktbeteiligten Forscher werden alle Spekulationen um eine angebliche "Verschlußsache" widerlegt. Leider ist das Werk restlos vergriffen. Man kann es aber antiquarisch bei www.e-bay.de oder www.zvab.com noch bekommen.

 

BESONDERS EMPFEHLENSWERT:

Das beste und aktuellste Buch stammt aus der Feder von dem Qumranforscher und Neutestamentler Professor Rainer Riesner (Dortmund) --> Verschwörung um Qumran? Jesus, die Schriftrollen und der Vatikan <--

Das Buch berücksichtigt die neuesten publizierten Texte!