Gewalt auf dem TempelbergUnseriöse Bericherstattung - offener Leserbrief an den Deutschlandfunk

Bild © Johannes Gerloff, Jerusalem

 

Blick auf den Tempelberg, der von Moslems insgesamt als "Al Aksa" bezeichnet wird.

 

 

OFFENER LESERBRIEF AN DEN DEUTSCHLANDRUNDFUNK

 

Betr: Ihr Beitrag www.deutschlandfunk.de/jerusalem-wieder-gewalt-auf-dem-tempelberg.1818.de.html?dram:article_id=331037

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

als Israel-Jordanien-Studienreiseleiter (seit fast 20 Jahren) und Insider in Sachen Archäologie des Ophelparkes (Ausgrabung südlich vom Tempelberg) protestiere ich gegen Ihre absolut falsche Berichterstattung.

 

Sie behaupten: "Netanjahu habe erklärt, es müsse auch Juden ermöglicht werden, in der Moschee auf dem Tempelberg zu beten."

 

Wo bitte soll dies Netanjahu erklärt haben? Es gibt nur zwei Moscheen auf dem Tempelberg oder von Moslems oft Al-Aksa insgesamt bezeichnet.

Das ist die überirdische Al Aksa Moschee, wo sich gestern militante Palästinenser verschanzt hatten und die neue unterirdische Marwani-Moschee. KEIN Christ und KEIN Jude darf diese islamischen Orte betreten es sei denn mit einer Sondergenehmigung des Waqf (der islamischen Stiftung) aus wissenschaftlichen Zwecken (z.B. Nichtmuslime, die Islamwissenschaftler sind). Niemals wurde die Forderung erhoben, dass hier Christen oder Juden drinnen beten wollen, was auch keiner will, denn dies wäre für Juden und Christen Gotteslästerung.

 

Israel ist ein demokratisches Land und daher gab es eine Gesetzesinitiative, dass das Religionsmonopol des Waqf, zu brechen sei. Wenn Sie als Christ oder Jude auf dem Tempelberg ihre Augen schließen und offen beten (nicht in einer der beiden Moscheen, in die lassen sie die islamischen Wächter überhaupt nicht rein als "Ungläubige"), kommen sofort die islamischen Wächter und dann die israelischen Sicherheitskräfte (oft Drusen / Araber, die Israelis sind) und verhaften sie. In einem demokratischen Staat muss aber Religionsfreiheit gewährleistet sein und so gab es seit Jahrzehnten die Forderung, dass auf dem Plateau des Tempelberges auch NICHT-MUSLIME beten dürfen sollen. Genau dies hat der israelische oberste Gerichtshof anerkannt und nur darum geht es. Weder um "radikale" Siedler noch um das Beten in einer der beiden Moscheen, sondern nur um das Grundrecht der Religionsfreiheit auf dem Tempelberg (an der Klagemauer dürfen Christen ohne Probleme beten). Es wäre sehr zu wünsche, dass Sie seriös und fachkundig über das Problem berichten. Aus diesem Artikel habe ich eher den Eindruck, dass Sie eine Meldung machen wollen über die bösen Israelis. Dabei machen die nur eins: die simpelsten demokratischen Grundrechte anzuwenden und diese heißen: Religionsfreiheit.

 

Bisher musste ich bei der israelischen Sicherheitskontrolle am Zugang zum Tempelberg (Christen und Juden dürfen nur ganz eingeschränkt dort hinauf durch ein Tor bei der sog. Klagemauer (die Moslems haben 12 Tore als Zugänge!) meine Bibel oder jegliche Zeichnung, wie der Tempelberg zur neutestamentlicher Zeit mit dem jüdischen Tempel aussah abgeben, das die Moslems verbieten so etwas mit zu nehmen, da dies eine "Provokation" des islamischen Glaubens sei.

 

Ich würde es sehr begrüßen, wenn die normalen Grundrechte der Religionsfreiheit auch auf dem Tempelberg gelten würden. Doch Sie dürfen sicher sein, dies werden die Moslems, der Großmufti und der Waqf niemals hinnehmen sondern zu heftigen Unruhen aufrufen, denn damit würden sie islamisches Hoheitsgebiet den "Ungläubigen" zugängig machen. Wie der Großmufti von Jerusalem denkt (er hält auch die "Predigten" - man sollte eher sagen Hassansprachen in der Al Aksa Moschee) können Sie hier sehen: www.memri.org/

 

Nun glaube ich kaum, dass dieser Leserbrief etwas bei Ihnen bewirken wird. Natürlich können Sie bei den Nichtinformierten Zuhörern / Lesern damit Ihr negatives Bild über das böse Israel verbreiten. Sachkundige Leser sehen darin nichts anderes als schlechten Journalismus, der sich nicht mal die Mühe macht (oder machen will) genau zu untersuchen, um was es da wirklich geht.

 

Wie schade! Ich dachte immer, der Deutschlandfunk würde sauber recherchieren und seriös berichten. Aber man lernt nie aus!

 

Mit enttäuschtem Gruß

Alexander Schick

Israel-Studienreiseleiter und Buchautor

www.bibelausstellung.de

 

 

Nachtrag am 18.9.2015

In meinem Leserbrief an den Deutschlandfunk hatte ich auf die unwahre Berichterstattung aufmerksam gemacht.

Es scheint mir aber ein Fehler unterlaufen zu sein. Heute verkündet aus dem Ministerpräsidentenamt, dass Nethanjahu überhaupt nichts an den Verhältnissen auf dem Tempelberg ändern will. Es bleibt anscheinend dabei, dass jeder Christ und Jude, der auf dem Tempelberg sein Haupt senkt, die Augen schließt und betet verhaftet werden kann, denn die islamische Verwaltung (Waqf) toleriert keine Gebet von "Ungläubigen".

Da Israels Regierung weiß, wie sensibel das Areal ist, setzt es nicht den Beschluss des Obersten Gerichtshofs durch, dass alle Menschen im Sinne der Religionsfreiheit auf dem Tempelberg beten dürfen. Wie Religionsfreiheit im Islam aussieht, kann man hier mehr als deutlich erkennen!

Wenn zudem der angeblich "gemäßigte" Palästinenserpräsident Abbas sagt: die „dreckigen Füße von Juden“ entweihten den Tempelberg, dann ist das mehr als deutlich!

 

 

hier der Bericht von Israelnetz

Netanjahu: Status quo bleibt erhalten

JERUSALEM (inn) – Israel verspricht, trotz anders lautender Berichte nichts am Tempelberg-Arrangement zu ändern. Palästinensische Gruppen verkünden nach den tagelangen Unruhen für Freitag einen „Tag des Zorns“.

Der israelische Premier Benjamin Netanjahu hat gegenüber UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon versichert, am Status quo des Tempelbergs nichts zu ändern. Anderweitige Berichte entsprängen „palästinensischer Hetze“, sagte Netanjahu in dem Telefonat am Donnerstagabend, wie sein Büro mitteilte.

Seit Sonntagmorgen versuchen palästinensische Jugendliche im Bereich der Al-Aksa-Moschee auf dem Jerusalemer Tempelberg, gewaltsam gegen Touristen und Juden vorzugehen, die das Areal betreten wollen. Israelische Sicherheitskräfte gehen gegen sie vor. Daraufhin warf unter anderen die palästinensische Politikerin Hanan Aschrawi Israel vor, den Tempelberg in Besitz nehmen zu wollen.

Die Gewalt blieb in den vergangenen Tagen nicht auf den Tempelberg oder Jerusalem beschränkt. In mindestens zwei Fällen im Westjordanland warfen Palästinenser Steine und Molotowcocktails auf israelische Autos. In Ostjerusalem ging nach einem solchen Vorfall ein Bus in Flammen auf, der Busfahrer wurde leicht verletzt. Erst am Sonntagabend war ein Israeli in Jerusalem durch einen Steinewerfer tödlich verwundet worden.

Prosor: Palästinensische Gewalt bleibt unerwähnt

Die Vereinten Nationen kritisierten die Eskalation der Gewalt und forderten Zurückhaltung. Der israelische UN-Botschafter Ron Prosor warf den UN jedoch Einseitigkeit vor. So erwähne der Weltsicherheitsrat nur das Recht der Muslime auf Gebet, nicht aber das Besuchsrecht von Nicht-Muslimen und die Gewalt der Palästinenser. Zudem ignoriere er die historische Verbindung der Juden zum Tempelberg. Der Sicherheitsrat verwende nur die arabische Bezeichnung des Areals, das „noble Heiligtum“ (Haram al-Scharif).

Das israelische Außenministerium kritisierte darüber hinaus eine Äußerung des Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas . Dieser hatte in einer Stellungnahme gesagt, die „dreckigen Füße von Juden“ entweihten den Tempelberg. Er begrüße „jeden Blutstropfen“, der wegen Jerusalem vergossen werde. Der Generalleiter des israelischen Außenministeriums, Dore Gold, erklärte, damit unterwandere Abbas das religiöse Zusammenleben.

Vor dem Hintergrund der Unruhen hat Jordanien damit gedroht, den israelischen Botschafter abzuziehen. Jordanien verwaltet den Tempelberg, während Israel für die Sicherheit auf dem Areal zuständig ist. Der saudische König Salman Ibn Abdul Asis Al Saud forderte US-Präsident Barack Obama in einem Telefonat am Donnerstag auf, die „israelischen Angriffe“ zu stoppen. Das berichtet die Onlinezitung „Times of Israel“ unter Berufung auf die „Saudische Presse-Agentur“.

Am Donnerstagmorgen suchten 20 Vertreter der Jugendorganisation der „Likud“-Partei den Tempelberg auf. Netanjahus Büro hatte von der Aktion abgeraten. Die 20 Nachwuchspolitiker beteten zunächst an der Klagemauer. Nach einer rituellen Reinigung hätten sie den Tempelberg betreten. Dort wurden sie dann von Vertretern der muslimischen Verwaltung umstellt. Muslimische Aktivistinnen beschimpften sie. Dor Harlap, einer der jungen Politiker, sagte laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“, die Gruppe habe keine Gebetsrunde abgehalten, was verboten ist, jedoch im Stillen gebetet.

Türkei im Verdacht

Unterdessen verstärkte Israel das Polizeiaufgebot am Tempelberg um 800 Kräfte. Damit reagieren die Sicherheitskräfte auf die Ankündigung eines „Tages des Zornes“ am Freitag, wenn sich Muslime zum Gebet versammeln. Männern unter 40 Jahren ist es am heutigen Freitag verboten, die Al-Aksa-Moschee aufzusuchen. Laut Informationen israelischer Sicherheitskräfte planen diese, gegen die Polizisten vorzugehen.

Wie der israelische Fernsehsender „Kanal 2“ berichtet, macht Israel die Türkei für die Gewalt auf dem Tempelberg veranwortlich. Das Land beherberge den Hamas -Politiker Saleh al-Aruri. Dieser organisiere die Aufstände, indem er Gelder an die Hamas im Gazastreifen leite. Die türkische Regierung lasse Al-Aruri gewähren. Die Türkei wies die Vorwürfe zurück: Al-Aruri befinde sich nicht mehr in der Türkei. (df)